Presse
Das Schweigen der Widder
Meldung vom 23. April 2010OH! Wen haben wir denn da? Der tierische Freund kommt Ihnen bekannt vor? Sollte er. Schließlich schmückt sein Konterfei zahlreiche Tosca-Plakate und Prospekte der Opernfestspiele.
Der Gute ist sozusagen das Maskottchen des Heidenheimer Festspielsommers. Der FCH hat Taumelbär „Paule“, die Opernfestspiele haben, nun ja, einen namenlosen Widder, ein Böckle sozusagen. Wie der Kerl mit den Hörnern zu dieser Ehre kam? Opernfestspieldirekor Marcus Bosch verbindet Heidenheim in erster Linie mit den idyllischen Wacholderheiden der Ostalb. Und auf der Heide grast ja bekanntlich so manch wolliges Nutzvieh. Zudem tritt im Libretto der Oper „Tosca“ zu Beginn des dritten Aktes ein Hirt samt Schafherde auf. So kam wohl eins zum anderen.
Unser Exemplar, das extra fürs Foto auf der Wiese vor dem Pressehaus posiert, war Teil der Tischdekoration bei der Donatoren- und Sponsorenfeier der Festspiele und ist gewissermaßen Marke Eigenbau. Sein Auftauchen nährte sofort Spekulationen, ob es das Inkognito-Maskottchen eventuell bald im großen Stil zu kaufen gibt, vielleicht als kleines Trostpflaster für den gestrichenen Schäferlauf oder als Schön-Wetter-Glücksbringer dafür, dass es am Tag der Aufführung nicht regnet.
Warum dem Widder ein rosaroter Balken die Sicht versperrt? Symbolisiert das womöglich die Zensurwut des „Tosca“-Bösewichts Scarpia? Kann sein. Vielleicht aber hat das Tier auch einfach bloß keinen Bock darauf, erkannt zu werden. Wir wissen es nicht: Der Bock grast und schweigt.
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Artikel der Heidenheimer Zeitung vom 23. April 2010
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