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© Tommy Mardo

Kategorie

Meisterkonzerte

Ort

Festspielhaus CCH

Programmheft

 

Schubert zum Letzten – zumindest in der Konzertsaison 2025/2026. Erneut stehen zwei Ouvertüren auf dem Programm, gleich beide in D-Dur. Und auch eine weitere orchestrierte Klaviersonate erklingt: Eduardo Browne Salinas hat für die Cappella Aquileia die a-Moll-Sonate D 845 instrumentiert.

Umringt von Schuberts Musik erklingt zudem eines der berühmtesten Klavierkonzerte des Repertoires: Edvard Griegs a-Moll-Konzert wurde durch Schumanns Konzert in derselben Tonart inspiriert, das Grieg gespielt von Clara Schumann gehört hatte. Dennoch dauerte es weitere elf Jahre, bis er sein eigenes Werk vollendet hatte und es schließlich uraufgeführt wurde. Das Konzert ist durch und durch norwegisch: Der Springtanz Halling klingt immer wieder durch. Solist in Heidenheim ist der 1987 in Neustadt an der Weinstraße geborene Joseph Moog, den das britische Magazin Gramophone zu den "brillantesten der Pianisten" zählt.

 

PROGRAMM

 

Franz Schubert

Ouvertüre D-Dur D 12

 

Edvard Grieg

Klavierkonzert a-Moll op. 16

  1. Allegro molto moderato
  2. Adagio
  3. Allegro moderato molto e marcato

 

***

 

Franz Schubert

Ouvertüre D-Dur D 556

 

Franz Schubert

Klaviersonate a-Moll D 845 (Orchestrierung: Eduardo Browne Salinas)

  1. Moderato
  2. Andante poco mosso
  3. Scherzo: Allegro vivace – Trio: Un poco più lento
  4. Rondo: Allegro vivace

 

PROGRAMMHEFT

 

Franz Schubert (1797–1828)

"Anfangs war diese nur ein kurzes, die Oper eröffnendes Vorspiel […]. Allmählich erlangte sie außerhalb ihrer Aufgabe, dramatischen Werken als Einleitung zu dienen, selbständigen Werth und Inhalt und da wie dort eine so in sich abgerundete Form, daß Opernouverturen auch ohne die Opern, für welche sie bestimmt waren, aufgeführt wurden, ja diese nicht selten überlebten. Man schrieb dann Ouverturen ohne Opern, adoptierte aber diesen Namen für alle instrumentalen Werke, die nicht wie die Symphonie in vier verschiedene Sätze zerfallen, sondern ein homogenes, organisches, unzertrennliches Ganzes in einem Satze bilden. Sowohl der größere Spielraum, welcher hier der Phantasie des Komponisten gelassen war, als auch die günstige Gelegenheit, Stücke an ein bestimmtes Sujet zu knüpfen und durch den Titel anzudeuten, trug zum raschen Emporblühen dieser Gattung der Tonkunst bei. Sie ist die echte Vorläuferin des Programms und brachte, wir möchten sagen, das Privilegium desselben mit auf die Welt." So fasste niemand geringeres als Franz Liszt, der Schöpfer der Gattung Sinfonische Dichtung, die Entstehung der Konzertouvertüre als Vorläufer seiner eigenen Schöpfung 1855 zusammen. Darin zeigt sich die durchaus komplexe beziehungsweise schwer zu verortende Funktion der Ouvertüre an der Grenze zwischen Wiener Klassik und Romantik – also genau zur Zeit Franz Schuberts. Zu dessen Lebzeiten bemühte sich auch Gottfried Weber 1813 um eine Einordung: "Noch sind die Aesthetiker nicht einig über den eigentlichen Zweck der Ouverture – über die Frage, ob sie eine Skizze, gleichsam einen Elenchus oder Argumentum des ganzen Stücks enthalten, und dessen Gang, wie in einem Zauberspiegel, voraus ahnen lassen, oder ob sie gleichsam blos Introduction, nur auf die erste Scene des Stückes vorbereiten, oder endlich, ob sie den Zuhörer im Allgemeinen in diejenige Stimmung versetzen soll, in welcher er für den Total-Eindruck der ganzen Oper am empfänglichsten seyn wird. Der Streit lässt sich eher schlichten, als entscheiden […]; keiner ist der einzig wahre Weg zum Heil, so wenig als irgend einer der unfehlbare."

Doch auch die Konzertouvertüre war dem Zwiespalt unterworfen, ob sie – ihrer Herkunft aus der Oper gemäß und wie von Liszt verstanden – Programmmusik ist oder absolute Musik sui generis, die dem Komponisten lediglich einen freieren Umgang mit der Form als im Falle der Sinfonie ermöglichte. Interessant ist, dass Schuberts Ouvertüren auf Titel verzichten und sich (abgesehen von Der Teufel als Hydraulicus, dem Werk, das Sie im November hören konnten) nicht auf eine inhaltliche oder explizit dramatische Vorlage beziehen. Einer der Treiber bei der Entwicklung zur Eigenständigkeit der Ouvertüre liegt wohl auch in einer dramaturgischen Neuerung im Konzertprogramm begründet: Die ursprüngliche Form – Sinfonie, Solokonzert und Sinfonie – wurde als zu schwergewichtig gegenüber dem Solisten empfunden, sodass kurze Instrumentalwerke zur Konzerteröffnung präferieret wurden und sich der heute geläufige Aufbau mit einer Ouvertüre, dem Solokonzert und nur einer Sinfonie im zweiten Teil etablierte.

Im heutigen Konzert hören Sie wieder zwei der insgesamt acht Konzertouvertüren, die von Schubert überliefert sind. Beide sind mit nur wenigen Jahren Abstand entstanden, was aber angesichts des ausgesprochen frühen Todes des Komponisten im Alter von lediglich 31 Jahren nicht viel bedeutet. Beide Ouvertüren stehen zudem in derselben Tonart – D-Dur. Die erste, im Deutsch-Verzeichnis der Werke Schuberts als D 12 notiert, entstand vermutlich 1811 oder 1812. Sie stellt das erste vollständige Werk für eine große Orchesterbesetzung in ausschweifendem Umfang – immerhin zählt sie 396 Takte – dar. Die zeitliche Einordung ergibt sich vor allem aus der Reihenfolge der Instrumente in der Partitur in der sogenannten "deutschen Anordnung". Ab Herbst 1812 wechselte Schubert zur "italienischen Anordnung", sodass die Komposition davor erfolgt sein muss. Vermutlich war sie zur Aufführung im sogenannten Stadtkonvikt vorgesehen, an dem er als Schüler sowohl als Sängerknabe als auch als zweiter Violinist im dortigen Orchester wirkte. Sie ist freilich noch ein wenig schematisch, steckt aber durchaus voller jugendlichem Esprit. Schuberts Kenntnis seiner Vorbilder und die praktische Auseinandersetzung mit Musik zeigen sich deutlich. Auf einen dramatisch-düsteren Beginn, der auf Brahms vorausdeutet, folgt ein heiter-lyrisches Thema, das fast an eine Pastorale erinnert und folgerichtig in Jagdmotivik übergeht. Dann nimmt die Musik zur Durchführung hin deutlich an Fahrt auf, bis hin zu einem geradezu triumphalen Gestus. Die zweite Ouvertüre des Abends, die Sie nach der Pause hören, wirkt ungleich reifer, ist sie doch auch 1817, also im Alter von 20 Jahren geschrieben worden. Die zweigeteilte Einleitung ist in Schuberts Schaffen in dieser Form einmalig. Auf die fast forsche, majestätische Fanfare zu Beginn folgt ein völlig eigenständiges Andante sostenuto, das einen melancholischen Einbruch mit sich bringt. Es kehrt vor der knappen Schlussstretta zurück, als Ruhepunkt allmählich langsamer werdend. Interessant ist ein neuer Duktus in Schuberts Musik, der den Einfluss Gioacchino Rossinis zeigt. Zwischenzeitlich verströmt die Ouvertüre geradezu schwungvoll eine nicht zu leugnende Italianità.

 

Edvard Grieg (1843–1907)

Als eines der Hauptwerke in der Literatur für Klavier und Sinfonieorchester gilt Edvard Griegs Klavierkonzert a-Moll op. 16. Der norwegische Komponist schrieb es mit Mitte zwanzig – zehn Jahre nachdem er erstmals Robert Schumanns Klavierkonzert gehört hatte. Die Aufführung hatte den damals Fünfzehnjährigen tief beeindruckt – so sehr, dass er für sein eigenes Konzert sogar Schumanns Tonart a-Moll wählte. Großen Einfluss übte auch das praktisch zeitgleich entstandene Konzert des dänischen Komponisten und Freundes Griegs August Winding aus (ebenfalls in a-Moll).

Bereits der schwungvolle Anfang verlangt dem Pianisten großes Können ab. Auf einen Paukenwirbel folgen fallende Akkorde im Klavier – die Einleitung ist somit nicht dem Orchester, sondern dem Solisten überlassen. Aber auch das Orchester kommt nicht zu kurz, es darf immer wieder entscheidend in das Geschehen eingreifen. Flöte, Oboe und die Celli bekommen wunderschöne Gesangslinien zugeteilt; Hörner, Trompeten, Posaunen und Pauken sorgen im weiteren Verlauf immer wieder für kräftige Akzente. Der Klaviersatz nutzt sämtliche dabei Möglichkeiten des romantischen Virtuosentums. Das Hauptthema ähnelt einem Marsch, der zunächst vom Orchester präsentiert wird, bevor ihn das Klavier aufgreift. Auf ein aufsteigendes Arpeggio folgt das zweite, stark konstatierende Thema: Es bringt ein Gefühl von Weite und Ruhe in das Geschehen. Der zweite Satz, in der sehr weit entfernten Tonart Des-Dur, beginnt ruhig und beschaulich mit einer langen Streicherpassage. Er gerät auch später immer wieder ins Träumen, trotz einiger dramatischer Wendungen, und bildet das romantische Herz des Konzerts. Das Finale schließt nach einer kurzen Überleitung direkt daran an. Es beruht auf dem Gegensatz zwischen einem tänzerischen ersten Thema und einem lyrischen zweiten, das zuerst von der Flöte vorgestellt wird. Musikalisch bedient sich Grieg hierbei – wie auch schon im Kopfsatz – an norwegischer Folklore, wie beispielsweise dem Springtanz Halligen. Eine Variante des zweiten Themas sorgt schließlich für eine hymnische Schlusswirkung.

Das Konzert war von Beginn an erfolgreich, kritische Stimmen waren selten. Hugo Wolf hielt das Werk 1885 jedoch gerade einmal für gut genug, "Brillenschlangen in Träume zu lullen oder rhythmische Gefühle in abgerichteten Bären zu er wecken", und meinte: "In den Konzertsaal taugt es nicht." Mit dieser Meinung stand der scharfzüngige Komponist allerdings ziemlich allein, wie der bis heute ungebrochene Erfolg des Konzerts zeigt.

 

Franz Schubert (1797–1828)

Seine Klaviersonate a-Moll D 845 komponierte Schubert im Mai 1825 gab ihr den Titel "Premiere Grande Sonata" – sie ist die erste von drei Sonaten, die zu Lebzeiten des Komponisten veröffentlicht wurden, die anderen sind D 850 und D 894. Diese Werke, die als Zyklus konzipiert waren, entstanden in einer Zeit, in der Schubert Berichten zufolge bei relativ guter Gesundheit und guter Laune war, und zeichnen sich durch Qualität und Anspruch aus. Insbesondere diese erste Sonate stellt einen bedeutenden Schritt hin zum reifen Stil des Komponisten im Bereich der Klaviersonaten dar; die Form und mehrere charakteristische Stilelemente ziehen sich bis zur letzten Sonate durch.

Der erste Satz ist in einer untypischen Sonatenform komponiert. Eine klagende, etwas bedrohlich anmutende Oktavphrase im Pianissimo-Unisono, verziert mit einem Mordent, eröffnet das Werk, gefolgt von einer kontrastierenden Akkordfolge. Das erste und das zweite Thema der Exposition, die sich rhythmisch ähneln, sind strukturell nicht klar voneinander getrennt – ein Merkmal, das sich später im mehrdeutigen Übergang zur Reprise fortsetzt. Die für ihre Zeit ungewöhnliche, atmosphärische und weitläufige Durchführung zeichnet sich durch ein Gefühl der Zeitdehnung und des Umherirrens aus und ist ein frühes Beispiel für dieses prägende Merkmal von Schuberts reifen Werken. Der zweite Satz besteht aus fünf Variationen über ein einfaches, 32-taktiges, zweiteiliges Thema mit Elementen des Kontrapunkts und der Chromatik. Die erste Variation führt eine verkürzte chromatische Figur ein, die das ansonsten weitgehend unveränderte Thema begleitet. Die zweite Variation ist ein energiegeladenes, reich verziertes Scherzando mit durchgehenden chromatischen und mollartigen Anklängen. Die düstere, dramatische dritte Variation steht in der parallelen Molltonart und zeichnet sich durch einen bemerkenswerten Einsatz von Dissonanzen aus. Die vierte Variation prägt ein virtuoser Lauf in schnellen 32stel-Noten, der sich intensiv der Chromatik und idiomatischer Klavierfigurationen bedient. Die letzte Variation ist vergleichsweise einfach, mit wiederholten Akkorden in Achtel-Triolen und einem pastoralen Charakter. Das Stück endet mit einer kurzen Coda und einer plagalen Kadenz. In seiner zusammengesetzten ternären Form greift das geheimnisvolle, sprunghafte Scherzo Elemente des ersten Satzes auf und fasst die harmonischen und thematischen Beziehungen der gesamten Sonate zusammen, verstärkt sie und synthetisiert sie – ein Ansatz, den Schubert in den Scherzi seiner reifen Klaviersonaten verfolgte. Ungewöhnliche Phrasenlängen, Subito-Effekte und unerwartete, weit entfernte Modulationen verleihen dem Scherzo einen eigenwilligen Charakter. Das pastorale Trio in F-Dur, ein sanft wiegendes Zwischenspiel mit leiser Dynamik, steht dazu in krassem Kontrast. Dieser Satz ist in Sonaten-Rondoform mit einer verkürzten Reprise gehalten. Das toccataartige Rondo-Thema beginnt, ebenso wie die Themen des Allegros und des Scherzos, in a-Moll und moduliert bald nach C-Dur. Der Satz ist, insbesondere für ein Schubert-Finale, sehr prägnant und endet schwungvoll mit einem accelerando im Schlussabschnitt.

 

Zu den Biografien gelangen Sie, indem Sie auf die Namen bei der Besetzung unten klicken.

Kreativteam

Dirigent Marcus Bosch

Besetzung

Klavier Joseph Moog

Ensembles

Orchester der OH! Cappella Aquileia

Falsches Datum beim Galakonzert 2027

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Hier wurde versehentlich ein falsches Datum abgedruckt (15. Juli 2027).

Das korrekte Datum ist Freitag, 9. Juli 2027, 19.30 Uhr.

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Opernfestspiele Heidenheim